Oettingen rettet 600 Jahre altes Hotel für 30 Millionen Euro
Das Fachwerkgebäude stand kurz vor dem Einsturz. Heute ist das Hotel Krone in Oettingen ein saniertes Vier-Sterne-Hotel. Die schwäbische Kleinstadt im Landkreis Donau-Ries hat dafür rund 30 Millionen Euro in die Hand genommen. Ein ungewöhnliches Projekt, das bundesweit Aufmerksamkeit erregt.
Ein Gebäude mit Geschichte
Das Gasthaus Krone geht auf das Jahr 1424 zurück. Das denkmalgeschützte Fachwerkgebäude prägt das Zentrum von Oettingen. Es steht neben dem Rathaus, dem Residenzschloss und dem fürstlichen Hofgarten. Die Krone verbindet die dicht bebaute Altstadt im Osten mit den Grünanlagen im Westen der Stadt.
Jahrelang stand das Gebäude leer. Der Zustand verschlechterte sich stetig. Irgendwann war klar: Ohne drastische Maßnahmen droht der Abriss oder der Einsturz. Für die Stadt war das keine Option.
Die Kommune greift selbst ein
Oettingen hat rund 5.500 Einwohner. Trotzdem übernahm die Stadt die Verantwortung für das Projekt. Sie wollte das kulturelle Erbe im Stadtzentrum nicht verlieren. Das Ergebnis ist eine Sanierung, die Denkmalschutz und moderne Hotellerie verbindet.
Das Projekt ist ein Gemeinschaftswerk. Stadt, Landkreis und der Freistaat Bayern finanzieren die Maßnahme gemeinsam. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 30 Millionen Euro. Andere Quellen nennen Baukosten von über 21 Millionen Euro für den Kernbau. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege würdigt das Vorhaben als herausragendes Beispiel für Baukultur und Wiedernutzung.
Historische Substanz bleibt erhalten
Bei der Sanierung stand der Erhalt der historischen Bausubstanz im Vordergrund. Gleichzeitig wurde das Gebäude mit moderner Technik ausgestattet. Der Kronensaal, der Gewölbekeller und die Fachwerkfassade blieben erhalten. Das Büro Feulner und Häffner übernahm die Planungsarbeiten.
Das Konzept sieht zwei Restaurants vor. Dazu kommt ein Biergarten vor dem historischen Kronensaal. Mehrere Seminarräume ergänzen das Angebot. Insgesamt stehen 40 Hotelzimmer bereit.
Castlewood Hotels übernimmt den Betrieb
Die Stadt Oettingen betreibt das Hotel nicht selbst. 2024 unterzeichnete sie einen Pachtvertrag mit dem Unternehmen Castlewood Hotels und Resorts. Der Betreiber verfolgt nach eigenen Angaben ein Konzept, das auf regionale Verwurzelung und Authentizität setzt.
Der geplante Eröffnungstermin ist Frühjahr 2025. Dann soll der Hotel- und Gastronomiebetrieb aufgenommen werden. Der Bürgermeister von Oettingen verbindet damit die Hoffnung auf mehr Touristen in der Region.
Signal für andere Kommunen
Das Projekt gilt in Fachkreisen als Modell für andere Städte. Viele bayerische Kommunen kämpfen mit leer stehenden Gebäuden in ihren Ortskernen. Oettingen zeigt: Eine Rettung ist möglich. Sie kostet aber viel Geld und langen Atem.
Das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr hat das Projekt als sogenanntes Superhelden-Projekt ausgezeichnet. Die Auszeichnung hebt das außergewöhnliche Engagement der beteiligten Akteure hervor.
Fazit
Oettingen hat mit dem Hotel Krone ein klares Zeichen gesetzt. Eine Kleinstadt investiert 30 Millionen Euro, um ein 600 Jahre altes Gebäude zu retten und wirtschaftlich neu zu beleben. Das Projekt verbindet Denkmalschutz, Tourismus und kommunale Verantwortung. Ob sich die Investition langfristig trägt, wird der Hotelbetrieb ab 2025 zeigen.