Pleitewelle rollt: Firmeninsolvenzen auf 20-Jahres-Hoch
Mehr als 4.500 Unternehmen haben allein im ersten Quartal Insolvenz angemeldet. So viele waren es zuletzt im Jahr 2005. Die Pleitewelle rollt durch die deutsche Wirtschaft, und Bayern bleibt davon nicht verschont. Besonders hart trifft es das Gastgewerbe, den Handel und die Baubranche.
Zahlen auf dem höchsten Stand seit zwei Jahrzehnten
Die Statistik ist eindeutig. Im März lagen die Insolvenzzahlen 35 Prozent höher als im gleichen Monat des Vorjahres. Gegenüber dem März-Durchschnitt der Vorpandemiezeit betrug der Anstieg 30 Prozent. Im Vergleich zum Februar stieg die Zahl der Pleiten um weitere 9 Prozent auf 1.297 Fälle.
Auch im Jahresvergleich ist der Trend klar. Die Firmeninsolvenzen stiegen im vergangenen Jahr um fast 25 Prozent. Der erreichte Stand ist der höchste seit 2015, als 23.222 Insolvenzen gezählt wurden. Experten rechnen damit, dass sich die Lage frühestens 2026 entspannt.
Gastgewerbe und Handel unter besonderem Druck
Hotels kämpfen ums Überleben
Das Gastgewerbe gehört zu den am stärksten betroffenen Branchen. Hotels und Restaurants leiden unter gestiegenen Energiekosten und höheren Personalkosten. Der Fachkräftemangel verschärft die Lage zusätzlich. Viele Betriebe arbeiteten jahrelang mit staatlichen Coronahilfen. Nach deren Wegfall fehlte die wirtschaftliche Grundlage.
Die Nachwirkungen der Pandemie zeigen sich deutlich. Betriebe, die durch Hilfskredite künstlich am Leben erhalten wurden, melden jetzt Insolvenz. Dieser verzögerte Effekt war von Ökonomen erwartet worden.
Handel im freien Fall
Auch der Handel steht unter massivem Druck. Steigende Betriebskosten fressen die Margen auf. Der Onlinehandel verdrängt den stationären Einzelhandel weiter. Personalmangel erhöht die Lohnkosten. Viele kleinere Händler finden keinen Ausweg mehr.
Besonders Innenstadtlagen spüren den Wandel. Leerstände mehren sich. Selbst mittelgroße Filialketten geraten ins Straucheln. Das Konsumklima bleibt gedämpft. Die Kaufzurückhaltung der Verbraucher trifft den Handel direkt.
Baubranche bleibt Problemzone
Das Baugewerbe kämpft seit Monaten mit einer tiefen Krise. Gestiegene Zinsen bremsen die Nachfrage nach Neubauten. Aufträge bleiben aus. Gleichzeitig drücken hohe Material- und Personalkosten auf die Ergebnisse. Viele Baufirmen haben zu Niedrigzinszeiten Projekte kalkuliert, die sich heute nicht mehr rechnen.
Die Insolvenzwelle im Bau trifft auch Zulieferer und Handwerksbetriebe. Die Kettenreaktion zieht sich durch viele Bereiche der Wirtschaft.
Bayern im bundesweiten Kontext
Bayern gilt traditionell als wirtschaftsstarkes Bundesland. Dennoch bleibt der Freistaat von der Entwicklung nicht ausgenommen. Auch hier steigen die Insolvenzzahlen. Besonders Regionen mit hoher Dichte an Gastgewerbe und Handel sind betroffen.
Die Ursachen sind vielfältig. Hohe Energiepreise belasten Betriebe seit dem Jahr 2022 erheblich. Die Inflation hat die Kaufkraft der Verbraucher geschwächt. Hinzu kommen strukturelle Probleme am Arbeitsmarkt. Fachkräfte fehlen, Löhne steigen, Margen sinken.
Fazit: Keine schnelle Erholung in Sicht
Die Insolvenzzahlen spiegeln den Zustand der deutschen Wirtschaft klar wider. Die Pleitewelle ist kein kurzfristiges Phänomen. Sie ist das Ergebnis mehrerer gleichzeitiger Belastungen. Energiekrise, Pandemiefolgen, Fachkräftemangel und schwache Binnennachfrage greifen ineinander.
Eine rasche Trendwende ist nicht absehbar. Prognosen gehen davon aus, dass die Insolvenzzahlen frühestens ab 2026 spürbar sinken. Für viele Unternehmen kommt diese Hoffnung zu spät.