
Praxisgründung in München: 60-Stunden-Wochen und kein Lehrplan
Zwei Ärztinnen haben in München eine eigene Praxis gegründet. Der Start war hart: Bis zu 60 Stunden pro Woche haben sie in den ersten Monaten gearbeitet. Unterstützung fanden sie beim Netzwerk einer Münchner Kardiologin. Ihr Fall zeigt, vor welchen Hürden niedergelassene Ärzte in Bayern stehen.
Ein Traum mit hohem Preis
Die Gründung einer eigenen Arztpraxis gilt vielen Medizinern als Ziel. Der Weg dorthin ist jedoch aufwendig. Die beiden Ärztinnen aus München haben das am eigenen Leib erfahren. In den ersten drei Monaten nach der Eröffnung arbeiteten sie bis zu 60 Stunden pro Woche. Der Aufbau einer Praxis verlangt neben medizinischem Fachwissen auch kaufmännisches Denken, Personalführung und Verwaltungsarbeit.
Ärztin Kienzler beschreibt die Anfangszeit als extrem intensiv. Die Last lag nicht allein auf den medizinischen Schultern. Buchhaltung, Kassenabrechnung, Raumgestaltung: All das fällt von Beginn an in den eigenen Verantwortungsbereich. Unterstützung von außen war deshalb unverzichtbar.
Das Studium bereitet kaum vor
Ein zentrales Problem: Das Medizinstudium vermittelt kaum Wissen über unternehmerische Grundlagen. Angehende Ärzte lernen, Diagnosen zu stellen und Patienten zu behandeln. Betriebswirtschaft, Praxisrecht oder Personalmanagement stehen selten auf dem Lehrplan. Wer sich selbstständig machen will, muss dieses Wissen anderswo beschaffen.
Das gilt für Neugründungen ebenso wie für Praxisübernahmen. Bei einer Übernahme kommen zusätzliche Fragen hinzu: Wie wird der Praxiswert ermittelt? Welche Verträge müssen geprüft werden? Rechtliche Beratung durch Spezialisten ist in beiden Fällen dringend empfohlen. Wer zu spät Fachleute hinzuzieht, riskiert teure Fehler.
Netzwerk als Faktor
Die beiden Münchner Ärztinnen mussten diesen Weg nicht alleine gehen. Eine erfahrene Kardiologin aus München stellte ihr Netzwerk zur Verfügung. Über dieses Netzwerk fanden die Gründerinnen Kontakt zu Fachleuten aus Recht, Finanzen und Praxismanagement. Solche Netzwerke können den Unterschied zwischen einem geordneten Start und einem chaotischen Anlauf ausmachen.
Für Mediziner in Bayern gibt es mehrere Anlaufstellen. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern berät bei der Zulassung und Niederlassung. Kammern und Berufsverbände bieten ebenfalls Orientierung. Die persönliche Vernetzung bleibt dennoch ein kaum ersetzbarer Vorteil.
Neugründung oder Übernahme: Zwei Wege, viele Fragen
Wer eine Praxis eröffnen will, steht vor einer grundlegenden Entscheidung. Eine Neugründung erlaubt mehr Gestaltungsfreiheit. Der Aufbau eines Patientenstamms dauert jedoch Zeit. Eine Übernahme hat dagegen sofort eine bestehende Infrastruktur und laufende Patienten. Dafür bringt sie Altlasten und Bewertungsfragen mit sich.
Beide Wege haben konkrete Vor- und Nachteile. Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht. Die persönliche Situation, das Fachgebiet und der lokale Markt sind ausschlaggebend. In München ist der Wettbewerb unter Arztpraxen hoch. Gleichzeitig ist die Kaufkraft der Bevölkerung überdurchschnittlich stark.
Finanzierung bleibt eine Herausforderung
Praxisgründungen sind kapitalintensiv. Medizinische Geräte, Raummiete, Personal und IT-Ausstattung verursachen hohe Anlaufkosten. Viele Ärzte finanzieren die Gründung über Bankdarlehen. Förderprogramme des Freistaats Bayern oder der KfW können zusätzlich genutzt werden. Eine solide Finanzplanung vor der Eröffnung ist Pflicht, keine Option.
Bürokratie kostet Zeit und Nerven
Neben der Finanzierung belastet die Bürokratie viele Praxisgründer. Zulassungsverfahren, Hygienevorschriften, Datenschutzvorgaben: Der administrative Aufwand ist erheblich. Viele Ärzte unterschätzen diesen Teil der Selbstständigkeit. Zeit, die in Formulare fließt, fehlt am Patientenbett.
Vorbereitung ist alles
Die Geschichte der beiden Münchner Ärztinnen zeigt: Eine Praxisgründung ist machbar, aber kein Selbstläufer. Wer sich gut vorbereitet, früh Netzwerke aufbaut und professionelle Beratung sucht, erhöht die Erfolgschancen deutlich. Das Medizinstudium allein reicht dafür nicht aus. Hier liegt eine strukturelle Lücke, die Hochschulen und Berufsverbände schließen müssen. Wer gründen will, muss selbst die Initiative ergreifen.



