Unternehmen

R-Pharm Germany abgewickelt: 280 Jobs in Illertissen weg

Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.

Das Ende kam nach monatelanger Suche ohne Ergebnis. Die deutsche Tochtergesellschaft des russischen Medikamentenherstellers R-Pharm wird abgewickelt. Am Standort Illertissen im Allgäu verlieren 280 Beschäftigte ihre Arbeit. Insolvenzverwalter Markus Fröhlich bestätigte, dass die zuletzt noch verbliebenen Interessenten von einer Übernahme Abstand genommen haben.

Krieg als Auslöser der Insolvenz

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat das Unternehmen wirtschaftlich in die Enge getrieben. Die Sanktionen gegen Russland und der Rückzug aus dem russischen Markt entzogen der deutschen Tochtergesellschaft die Geschäftsgrundlage. R-Pharm Germany meldete daraufhin Insolvenz an. Eine Rettung scheiterte trotz intensiver Bemühungen des Insolvenzverwalters.

Fröhlich leitete die Suche nach einem Käufer über mehrere Monate. Bis zuletzt gab es zwei verbliebene Interessenten. Beide zogen ihre Angebote zurück. Damit ist die Abwicklung des Unternehmens besiegelt.

Illertissen: Vom Impfstoffhoffnungsträger zur Pleite

Die Sputnik-V-Pläne scheiterten früh

R-Pharm Germany hatte während der Corona-Pandemie für Schlagzeilen gesorgt. Im Frühjahr 2021 plante das Unternehmen, am Standort Illertissen Produktionskapazitäten für den russischen Corona-Impfstoff Sputnik V aufzubauen. Der Freistaat Bayern sicherte sich damals 2,5 Millionen Dosen des Präparats.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder warb damals offensiv für den russischen Impfstoff. Er wollte Sputnik V so schnell wie möglich in Bayern herstellen und verimpfen lassen. Der Impfstoff basiert auf einem Adenovirus-Vektor und wurde in Russland als Zweikomponentenpräparat entwickelt.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA nahm das Prüfverfahren für Sputnik V zwar auf. Eine Zulassung in der Europäischen Union erfolgte jedoch nie. Die Produktionspläne in Illertissen zerschlugen sich damit vollständig. Das Werk, das einst auch Pfizer als Produktionsstandort gedient hatte, blieb ohne das erhoffte Kerngeschäft.

Ein Standort mit langer Tradition

Illertissen ist ein traditionsreicher Pharmastandort im Allgäu. Mit der Schließung von R-Pharm Germany verliert die Region einen Arbeitgeber mit 280 Stellen. Für den lokalen Arbeitsmarkt ist das ein spürbarer Einschnitt.

Russland-Geschäfte als Risiko

Der Fall R-Pharm steht exemplarisch für die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Kriegs für Unternehmen mit engen Russland-Verbindungen. Sanktionen, Lieferkettenprobleme und Reputationsdruck machten das Geschäftsmodell der deutschen Tochter obsolet.

Unternehmen, die auf Kooperationen mit russischen Muttergesellschaften aufgebaut waren, gerieten seit 2022 vielfach unter Druck. R-Pharm Germany ist eines der prominenteren bayerischen Beispiele für diesen Zusammenbruch.

Abwicklung

Der geplante Sputnik-V-Standort Illertissen wird nicht realisiert. 280 Menschen verlieren ihre Stelle. Ein Investor für einen Neustart fand sich nicht. Für die Region beginnt nun die Suche nach einer Nachnutzung des Standorts.

Ähnliche Artikel

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"