R-Pharm Germany: Allgäuer Pharmabetrieb sucht neuen Investor
EU-Sanktionen gegen Russland haben einen bayerischen Pharmabetrieb in die Knie gezwungen. Die R-Pharm Germany GmbH mit Sitz in Illertissen im schwäbischen Teil des Allgäus hat Insolvenz angemeldet. 300 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Doch der Betrieb läuft weiter, und erste Kaufinteressenten haben sich gemeldet.
Krieg und Sanktionen als Auslöser
R-Pharm Germany ist die deutsche Tochter des gleichnamigen russischen Pharmakonzerns aus Moskau. Der Ukraine-Krieg hat das Geschäftsmodell des Unternehmens fundamental erschüttert. Die EU verhängte Sanktionen gegen Russland. Moskau reagierte mit Gegensanktionen. Das Ergebnis: Kunden und Geschäftspartner wurden verunsichert. Aufträge blieben aus.
Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Markus Fröhlich. Er benennt die Sanktionen beider Seiten als Hauptgrund für die Schieflage. Die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens habe sich dadurch über einen längeren Zeitraum negativ entwickelt. Am Ende reichte die Liquidität nicht mehr aus.
Betrieb vorerst gesichert
Trotz des Insolvenzverfahrens stellt R-Pharm Germany den Betrieb nicht ein. Das Unternehmen ist für die kommenden Monate durchfinanziert. Das teilte Insolvenzverwalter Fröhlich mit. Die Produktion läuft nach seinen Angaben eingeschränkt weiter.
Das ist für die 300 Beschäftigten am Standort Illertissen eine wichtige Botschaft. Kurzfristige Entlassungen drohen vorerst nicht. Die Löhne sind durch das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit für einen begrenzten Zeitraum abgesichert.
Investoren prüfen die Zahlen
Parallel zur laufenden Produktion sucht die Insolvenzverwaltung aktiv nach einem Käufer. Mehrere Interessenten haben bereits Kontakt aufgenommen. Sie prüfen derzeit die Unternehmenskennzahlen, also die sogenannte Due Diligence.
Das Ziel ist eine übertragende Sanierung. Dabei würden Betrieb und Arbeitsplätze auf einen neuen Eigentümer übertragen. Der bisherige russische Mutterkonzern scheidet als Käufer aus. Die Sanktionslage macht eine weitere Verflechtung mit Moskau unmöglich.
Pharmastandort Illertissen unter Druck
Illertissen hat eine gewisse Tradition als Pharmastandort. R-Pharm Germany stellte dort unter anderem Medikamente für den europäischen Markt her. Ein Scheitern der Suche nach einem Investor hätte Folgen weit über den Betrieb hinaus.
Die Insolvenz zeigt exemplarisch, welche wirtschaftlichen Kollateralschäden der Russland-Ukraine-Krieg auch in Bayern verursacht. Unternehmen mit engen Verbindungen nach Russland gerieten durch die Sanktionspolitik in eine strukturelle Klemme. Sie konnten weder normal mit ihrem Mutterkonzern arbeiten noch europäische Partner von ihrer Zuverlässigkeit überzeugen.
Fazit
R-Pharm Germany ist kein Einzelfall, aber ein besonders deutliches Beispiel. Ein Pharmabetrieb mit 300 Beschäftigten steht wegen geopolitischer Verwerfungen vor dem Aus. Die kommenden Wochen werden entscheidend sein. Findet Insolvenzverwalter Fröhlich einen solventen Käufer, können Standort und Jobs gerettet werden. Bleibt ein Investor aus, droht die Liquidation. Für das Allgäu wäre das ein empfindlicher wirtschaftlicher Verlust.