Scherdel schließt: Zukunft des Schlappenbiers ungewiss
Die Scherdel-Brauerei schließt ihren Standort in Hof. Das hat direkte Folgen für ein Stück fränkischer Brautradition: das Schlappenbier. Das Starkbier gilt als Kulturerbe Bayerns und ist eng mit der Stadt Hof verbunden. Ob es weiterhin gebraut wird und wo, steht noch nicht fest.
Eine Brauerei mit langer Geschichte gibt auf
Die Scherdel-Brauerei blickt auf eine fast 200-jährige Geschichte zurück. Ihr Standort in Hof war über Jahrzehnte ein festes Stück der oberfränkischen Wirtschaftslandschaft. Nun ist Schluss. Der Betrieb in Hof ist wirtschaftlich nicht mehr tragfähig.
Die Gründe sind bekannt: gestiegene Preise für Rohstoffe, Energie und Personal. Dazu kommen anstehende Investitionen, die sich nicht mehr rechnen. Geschäftsführer Lehmann machte deutlich, dass verschiedene Optionen geprüft wurden. Das Ergebnis war eindeutig: Ein wirtschaftlicher Betrieb in Hof ist nicht mehr möglich.
Die regulären Scherdel-Biere sollen am Kulmbacher Standort Neuensalz weitergebraut werden. Das ist rund 30 Kilometer von Hof entfernt, im Landkreis Wunsiedel. Für das Kerngeschäft ist damit eine Lösung gefunden.
Das Schlappenbier: Mehr als ein Starkbier
Für das Schlappenbier gilt das nicht. Sein Schicksal ist nach aktuellem Stand offen. Das Bier ist kein gewöhnliches Produkt. Es ist eng mit dem Schlappentag in Hof verknüpft, einem Volksfest mit langer Tradition.
Der Schlappentag findet jedes Jahr in Hof statt. Zu diesem Anlass wird das Schlappenbier eigens gebraut. Das Fest und das Bier gehören zur Identität der Stadt. Der Schlappentag zählt zum immateriellen Kulturerbe Bayerns. Das verleiht dem Bier eine Bedeutung, die über Gastronomie und Genuss weit hinausgeht.
Konkrete Informationen zur Produktion des Schlappenbiers 2025 fehlen noch. Auf der Webseite der Scherdel-Brauerei ist aktuell lediglich zu lesen, dass zum jetzigen Zeitpunkt kein Schlappenbier verfügbar ist. Stattdessen werden andere Scherdel-Produkte angeboten, darunter Pilsner, Zoigl und Hell.
Strukturwandel in der deutschen Brauwirtschaft
Der Fall Scherdel steht nicht allein. Die Braubranche in Deutschland steckt seit Jahren im Wandel. Der Bierkonsum sinkt kontinuierlich. Gleichzeitig drücken höhere Kosten auf die Margen. Viele kleinere und mittlere Brauereien geraten dadurch unter Druck.
Die Folge: Standortschließungen, Zusammenschlüsse und Produktionsverlagerungen. Was einst regional gebraut wurde, entsteht heute oft an zentralisierten Standorten. Effizienz geht vor Heimatbezug. Das ist betriebswirtschaftlich nachvollziehbar. Für die betroffenen Regionen ist es ein Verlust.
Oberfranken ist eine klassische Brauereiregion. Die Dichte an Brauereien ist hier historisch hoch. Doch auch dieser Puffer schützt nicht vor dem überregionalen Strukturwandel. Die Schließung in Hof zeigt: Selbst traditionsreiche Häuser mit fast 200-jähriger Geschichte sind nicht immun.
Kulturerbe ohne Heimatstandort?
Die entscheidende Frage bleibt offen. Kann ein Bier, das zum immateriellen Kulturerbe Bayerns gehört, seinen Charakter behalten, wenn es nicht mehr am angestammten Ort gebraut wird? Diese Frage ist nicht nur kulturell, sondern auch wirtschaftlich relevant.
Der Schlappentag zieht Besucher an. Er stärkt den lokalen Handel und die Gastronomie in Hof. Das Schlappenbier ist dabei mehr als ein Getränk. Es ist ein Identifikationsanker für die Stadt und die Region. Fällt die Produktion weg oder verlagert sie sich dauerhaft, verliert das Fest einen Teil seiner Substanz.
Ob die Scherdel-Gruppe oder ein anderer Produzent das Schlappenbier künftig brauen wird, ist derzeit nicht geklärt. Auch ein möglicher Neubrauer am Standort Hof ist nicht bekannt.
Fazit
Die Schließung der Scherdel-Brauerei in Hof ist ein wirtschaftlicher Einschnitt für die Stadt und die Region. Für das Schlappenbier, ein anerkanntes Kulturerbe Bayerns, ist die Lage ernst. Solange keine Lösung für seine Produktion gefunden ist, bleibt die Tradition in der Schwebe. Die Brauwirtschaft in Bayern steht vor harten Entscheidungen. Hof ist ein weiteres Beispiel dafür, dass wirtschaftlicher Druck auch an Kulturgütern nicht spurlos vorbeigeht.