Energiewirtschaft

Söder will Mini-AKW in Bayern: CSU fordert Atomkraft zurück

Söder bringt Atomkraft wieder auf die Agenda

Markus Söder will Atomkraft zurück nach Bayern. Der CSU-Vorsitzende und Bayerische Ministerpräsident fordert den Einsatz sogenannter Small Modular Reactors, kurz SMR. Diese Mini-Kernkraftwerke gelten als neue Generation der Atomtechnologie.

Söder sieht in der Technologie eine Chance für die Energieversorgung des Freistaats. Bayern ist seit dem endgültigen Atomausstieg im April 2023 auf Stromimporte angewiesen. Das letzte bayerische Kernkraftwerk, Isar 2 bei Landshut, ging damals vom Netz.

Was sind Mini-AKW und wie funktionieren sie?

Small Modular Reactors sind deutlich kleiner als klassische Kernkraftwerke. Ihre Leistung liegt typischerweise unter 300 Megawatt. Konventionelle Großkraftwerke liefern oft mehr als 1.000 Megawatt.

SMR sollen im Werk vorgefertigt und modular aufgebaut werden. Befürworter versprechen kürzere Bauzeiten und geringere Kosten. Kritiker bezweifeln, dass die Technologie im großen Maßstab wirtschaftlich betreibbar ist.

Atomausstieg 2023: Bayern verlor wichtige Stromquelle

Mit dem Abschalten von Isar 2 verlor Bayern einen bedeutenden Energieträger. Das Kraftwerk hatte zuletzt rund 1.400 Megawatt Leistung erbracht. Seitdem importiert der Freistaat erhebliche Mengen Strom aus anderen Bundesländern und dem Ausland.

Die Versorgungssicherheit ist seither ein zentrales Thema in der bayerischen Energiepolitik. Söder hatte bereits während der Debatten um den Atomausstieg auf eine Laufzeitverlängerung gedrängt. Er scheiterte damals an der Bundesregierung.

Bundesrechtliche Hürden sind hoch

Söders Forderung stößt auf ein grundsätzliches Problem: Atomkraft ist Bundessache. Bayern kann keine eigenständige Atompolitik betreiben. Ein Neubau von Kernkraftwerken wäre nur mit einer Kehrtwende auf Bundesebene möglich.

Der Atomausstieg ist im Atomgesetz verankert. Eine Rückkehr zur Kernkraft würde eine Gesetzesänderung durch den Bundestag erfordern. Die aktuelle Bundesregierung aus SPD und Grünen lehnt das ab.

CSU positioniert sich vor Bundestagswahl

Söders Vorstoß hat auch eine parteipolitische Dimension. Die CSU profiliert sich damit als Gegenpol zur Energiepolitik der Ampelkoalition. Das Thema Versorgungssicherheit und Energiepreise trifft bei vielen Wählern einen Nerv.

International erlebt die Atomkraft tatsächlich eine Renaissance. Länder wie Frankreich, Großbritannien und die USA investieren wieder in neue Reaktoren. Auch die EU-Kommission stuft Kernkraft mittlerweile als klimafreundliche Technologie ein.

Kritik aus Umweltverbänden und Opposition

Umweltverbände lehnen Söders Pläne klar ab. Sie verweisen auf ungelöste Fragen der Atommüllentsorgung. Auch die langen Entwicklungszeiten für SMR-Technologie werden als Argument genannt.

Experten bezweifeln, dass Mini-AKW kurzfristig zur Stromversorgung beitragen können. Serienreife Anlagen existieren bislang kaum. Bis ein SMR in Bayern ans Netz gehen könnte, würden nach aktuellen Schätzungen mindestens zehn bis fünfzehn Jahre vergehen.

Bayerns Energiezukunft bleibt umstritten

Die Debatte um Mini-AKW zeigt: Bayerns Energieversorgung ist politisch heiß umkämpft. Der Freistaat hat ambitionierte Ausbauziele bei Wind- und Solarenergie. Ob das reicht, darüber streiten Experten und Politiker gleichermaßen.

Söder hält an seiner Forderung fest. Er sieht SMR als sinnvolle Ergänzung zu erneuerbaren Energien. Die Entscheidung darüber liegt jedoch nicht in München, sondern in Berlin.

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