Spectrum-Rakete: Zweiter Startversuch bis Juni geplant
Bayerns Raumfahrtambitionen bekommen neuen Schub. Forschungsministerin Dorothee Bär hat sich zuversichtlich gezeigt, dass die Orbitalrakete Spectrum des Ottobrunner Start-ups Isar Aerospace noch vor Ende Juni einen erneuten Startversuch unternimmt. Bär reiste dafür eigens nach Norwegen, zum Raketenbahnhof auf der Insel Andøya. Isar Aerospace selbst äußerte sich bislang nicht öffentlich zu einem konkreten Termin.
Ministerin reist nach Norwegen
Dorothee Bär besuchte den Startplatz auf Andøya persönlich. Von dort soll die Spectrum-Rakete erneut abheben. Die Ministerin zeigte sich optimistisch: Sicherheitstechnisch stehe einem neuen Start nichts mehr im Weg. Nun müsse die Technik stimmen. Und das Wetter.
Bär ist seit ihrer Ernennung zur Forschungsministerin eine der lautstärksten politischen Fürsprecher der deutschen Raumfahrtindustrie. Sie hatte bereits das Max-Planck-Institut und die ESO-Supernova in Garching besucht. Ihr Engagement für Isar Aerospace ist Teil einer breiteren Strategie zur Stärkung des Raumfahrtstandorts Bayern.
Was bisher geschah: Ein schwieriger Start
Isar Aerospace hat hinter sich, was viele junge Raketenbauer kennen: technische Rückschläge. Im Januar sollte Spectrum erstmals vom Boden abheben. Ein defektes Ventil stoppte den Countdown. Der nächste Versuch im März endete ebenfalls mit einem Abbruch.
Dann kam der erste echte Flug. Das Unternehmen schoss die Rakete vom Bahnhof auf Andøya ab. Isar Aerospace hatte vorab deutlich kommuniziert: Ein Erfolg sei nicht das primäre Ziel. Es gehe darum, Daten zu sammeln und Erfahrungen zu gewinnen. Eine Explosion sei möglich. Das Unternehmen handelte damit wie viele moderne Raumfahrtfirmen: Scheitern als Teil des Lernprozesses.
Was Spectrum kann und soll
Die Spectrum-Rakete ist für den Transport von Satelliten in erdnahe Umlaufbahnen konzipiert. Genau dort liegt ein wachsender Markt. Kommunikationssatelliten, Erdbeobachtung, Navigationssysteme: Alle brauchen regelmäßige Starts. Europa ist dabei auf amerikanische Anbieter angewiesen. Das soll sich ändern.
Isar Aerospace hat bereits namhafte Kunden gewonnen. Airbus Defence and Space buchte frühzeitig Kapazitäten für einen eigenen Satelliten. Das zeigt: Die Industrie glaubt an das bayerische Start-up. Gegründet wurde Isar Aerospace in Ottobrunn bei München. Das Unternehmen gehört damit zu einem wachsenden Cluster an Raumfahrtunternehmen im Großraum München.
Europas Unabhängigkeit als Antrieb
Der politische Kontext ist klar. Europa will beim Zugang zum Weltraum unabhängiger werden. Die Abhängigkeit von US-amerikanischen Anbietern wie SpaceX ist ein strategisches Risiko. Europäische Trägerraketen stehen derzeit nicht in ausreichender Zahl bereit. Isar Aerospace füllt genau diese Lücke.
Das Unternehmen hat auch das Interesse amerikanischer Investoren geweckt. Deren Einstieg signalisiert Vertrauen in das Geschäftsmodell. Für den Standort Bayern ist das ein starkes Signal. Die Raumfahrtindustrie gehört zu den Wachstumsbranchen, auf die der Freistaat setzt.
Isar Aerospace schweigt zum Termin
Auffällig bleibt die Zurückhaltung von Isar Aerospace. Während Ministerin Bär öffentlich Termine nennt, kommentiert das Unternehmen die Angaben nicht. Das ist keine Seltenheit in der Branche. Raketenunternehmen kommunizieren Starttermine oft erst dann, wenn die technische Freigabe gesichert ist.
Frühere Abbrüche haben gezeigt, wie schnell sich Zeitpläne verschieben können. Ein defektes Bauteil, ungünstige Windverhältnisse oder neue Sicherheitsprüfungen reichen aus. Die Vorsicht des Unternehmens ist deshalb verständlich. Politische Versprechen und technische Realität liegen in der Raumfahrt oft auseinander.
Fazit
Ob Spectrum noch vor Ende Juni startet, bleibt offen. Ministerin Bär glaubt daran. Isar Aerospace arbeitet daran. Die Grundlage stimmt: Die Sicherheitsfragen sind geklärt, der Startplatz steht bereit. Bayern verfolgt seinen Kurs als Raumfahrtstandort konsequent. Der nächste Versuch wird zeigen, wie weit das Unternehmen seit dem letzten Flug technisch vorangekommen ist.