
Strom aus dem Bordstein: Bamberg erprobt neue Ladetechnik
Bamberg geht einen neuen Weg bei der Ladeinfrastruktur für Elektroautos. Die Stadtwerke Bamberg testen am Standort Schranne sogenannte Ladebordsteine. Das sind Ladeanschlüsse, die ebenerdig in den Bordstein eingebaut sind. Autofahrer parken ihr Fahrzeug, stecken das Kabel in die Steckdose im Kantstein und laden den Akku.
Technik im Boden statt Kasten am Straßenrand
Klassische Ladesäulen stehen gut sichtbar am Straßenrand. Sie beanspruchen Platz und verändern das Stadtbild. Ladebordsteine sind bündig in den Boden eingebaut und von außen kaum zu erkennen.
Für Bamberg ist das besonders relevant. Die Stadt in Oberfranken gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Neue Infrastruktur muss sich dem historischen Stadtbild anpassen. Große Ladesäulen stoßen in solchen Altstadtbereichen schnell an gestalterische Grenzen.
Die Ladebordsteine sollen genau dieses Problem lösen. Sie sind platzsparend, unauffällig und laut Herstellerangaben witterungsbeständig. Das schließt Wasserfestigkeit ein, da die Geräte dauerhaft im Freien verbaut sind.
Stadtwerke bauen Ladeinfrastruktur weiter aus
Hinter dem Pilotprojekt stehen die Stadtwerke Bamberg. Der kommunale Versorger baut sein Angebot an Elektroladeinfrastruktur in der Region gezielt aus. Der Test an der Schranne ist Teil dieser Strategie.
Ziel ist es, mehr Lademöglichkeiten im öffentlichen Raum zu schaffen. Gerade für Bewohner ohne eigene Garage oder Stellplatz fehlen bislang wohnortnahe Alternativen. Ladebordsteine könnten diese Lücke schließen, wenn der Test erfolgreich verläuft.
Technologie wird bundesweit erprobt
Bamberg ist nicht die einzige Stadt, die auf diese Technologie setzt. Bereits 2024 hat die Stadt Köln erste Ladebordsteine in Betrieb genommen. Auch in Nordrhein-Westfalen laufen Testprojekte. Der Rüstungs- und Technologiekonzern Rheinmetall hat eigene Aktivitäten in diesem Bereich angekündigt.
Das Grundprinzip ist überall gleich: Parken, Kabel einstecken, laden. Der Aufwand für den Nutzer soll gering bleiben. Ob das Modell in der Praxis überzeugt, soll der laufende Test in Bamberg zeigen.
Herausforderungen bei der Umsetzung
Ladebordsteine stellen technische Anforderungen. Die Geräte müssen dauerhaft gegen Feuchtigkeit, Schmutz und mechanische Belastung geschützt sein. Fahrzeuge rollen über Bordsteine, Reinigungsfahrzeuge belasten die Fläche zusätzlich. Die Technik muss das aushalten.
Ein weiterer Punkt ist die Zugänglichkeit. Nutzer müssen das Kabel selbst aus dem Fahrzeug holen und auf dem Boden entlangführen. Ob das im Alltag praktisch funktioniert, wird der Pilotbetrieb zeigen.
Stadtbild als Argument
In Bamberg hat die optische Integration besonderes Gewicht. Die mittelalterliche Altstadt mit Dom, Rathaus und Fachwerkhäusern ist seit 1993 UNESCO-Weltkulturerbe. Veränderungen im öffentlichen Raum unterliegen strengen Auflagen.
Wenn Ladebordsteine hier funktionieren und genehmigt werden, spricht das für die Technologie auch in anderen sensiblen Innenstadtlagen.
Fazit
Bamberg erprobt mit den Ladebordsteinen an der Schranne eine Technologie, die Ladeinfrastruktur in den Boden verlegt, statt neue Objekte in den Straßenraum zu stellen. Ob die Technik hält, was sie verspricht, werden die Testergebnisse der Stadtwerke Bamberg zeigen.



