Teurer Sprit treibt Bayerns Grenzpendler ins Ausland
Wer im Grenzgebiet wohnt, tankt oft lieber drüben. In Bayerns Grenzregionen zu Österreich und Tschechien ist der sogenannte Tanktourismus ein wachsendes Problem. Heimische Tankstellenbetreiber melden deutliche Umsatzeinbußen.
Preisunterschied macht den Unterschied
Der Grund ist simpel: Kraftstoff ist im benachbarten Ausland oft spürbar günstiger. In Tschechien und Österreich liegen die Spritpreise regelmäßig unter dem deutschen Niveau. Für Pendler und Vielfahrer rechnet sich der Umweg zur Grenze schnell.
Bei einem Preisunterschied von zehn bis fünfzehn Cent pro Liter kommen bei einem vollen Tank schnell mehrere Euro Ersparnis zusammen. Wer regelmäßig fährt, spart im Jahr einen dreistelligen Betrag.
Grenznahe Tankstellen unter Druck
Besonders betroffen sind Tankstellen im Landkreis Passau, im Bayerischen Wald und im Berchtesgadener Land. Dort ist die Konkurrenz aus dem Ausland geografisch nah. Betreiber berichten von rückläufigen Verkaufszahlen bei Diesel und Benzin.
Für kleine, inhabergeführte Stationen kann das existenzbedrohend sein. Ihr Geschäftsmodell hängt stark vom Durchgangsverkehr ab. Wenn der ausbleibt, fehlt die wirtschaftliche Grundlage.
Steuerstruktur als Ursache
Die unterschiedlichen Preise haben strukturelle Ursachen. Deutschland erhebt vergleichsweise hohe Energiesteuern auf Kraftstoffe. Österreich und Tschechien besteuern Sprit geringer. Das schlägt sich direkt an der Zapfsäule nieder.
Eine Angleichung der europäischen Steuersätze ist politisch gewollt, aber noch weit entfernt. Solange die Unterschiede bestehen, bleibt der Anreiz zum Grenztanken hoch.
Auch der Einzelhandel leidet
Tanktourismus schadet nicht nur den Tankstellen. Wer ins Nachbarland fährt, kauft dort oft auch Lebensmittel, Tabak oder andere Waren ein. Das kostet bayerische Händler in Grenznähe zusätzliche Einnahmen.
Supermärkte und Discounter in Grenznähe spüren den Abfluss von Kaufkraft ins Ausland. Dieser Effekt ist schwer zu beziffern, aber in den betroffenen Kommunen deutlich wahrnehmbar.
Kommunen fordern politisches Handeln
Bürgermeister und Landräte in den Grenzregionen drängen auf Lösungen. Sie fordern eine Entlastung bei der Energiesteuer oder gezielte Förderprogramme für betroffene Betriebe. Bislang ohne konkretes Ergebnis.
Auf Bundesebene ist das Thema bekannt, aber nicht prioritär. Bayern hat über den Bundesrat wiederholt auf die besondere Lage der Grenzregionen hingewiesen.
Kein Ende in Sicht
Solange die Preisunterschiede bestehen, wird sich am Verhalten der Verbraucher wenig ändern. Für die betroffenen Betriebe bleibt die Lage angespannt. Viele setzen auf Zusatzangebote wie Autowäsche oder Shops, um Einnahmen zu sichern.
Der Tanktourismus ist kein neues Phänomen. Doch steigende Spritpreise in Deutschland verschärfen das Problem. Für Bayerns Grenzregionen bleibt er eine wirtschaftliche Dauerbaustelle.