vbw-Index knackt 200er-Marke: Rohstoffkosten belasten Bayerns Industrie
Bayerns Industrie steht unter Druck. Der Rohstoffpreisindex der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft hat im ersten Quartal 2026 erstmals die Marke von 200 Punkten durchbrochen. Der bisherige Rekordwert lag bei 196,3 Punkten, gemessen im März 2022. Damit ist ein neues historisches Hoch erreicht.
Ein Index mit Signalwirkung
Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, kurz vbw, erhebt den Rohstoffpreisindex ohne Energie regelmäßig. Er misst, wie stark die Materialkosten für bayerische Unternehmen steigen oder sinken. Ein Wert über 200 ist dabei kein Zufall, sondern ein klares Signal. Die Preise für Rohstoffe sind auf breiter Front gestiegen.
Der Index spiegelt die Einkaufskosten der Industrie wider. Wer Metalle, Kunststoffe oder andere Grundmaterialien verarbeitet, zahlt derzeit so viel wie nie zuvor. Das trifft vor allem den produzierenden Mittelstand in Bayern hart.
Industrie zeigt sich besorgt
Die bayerische Industrie reagiert mit deutlicher Sorge auf die Entwicklung. Steigende Rohstoffkosten fressen Margen auf. Viele Unternehmen können die höheren Beschaffungskosten nicht vollständig an ihre Kunden weitergeben. Der Wettbewerbsdruck bleibt hoch.
Besonders betroffen sind Betriebe der Metallverarbeitung und des Maschinenbaus. Aluminium gehört zu den Rohstoffen, deren Preis stark gestiegen ist. Ein Beispiel aus der Praxis: Auf dem Gelände der Handtmann Leichtmetallgießerei lagern Aluminiumbarren, deren Einkaufspreis gegenüber früheren Perioden deutlich höher liegt.
Vergleich mit 2022 zeigt Dimension
Der März 2022 gilt als Referenzpunkt für extreme Preisspitzen. Damals trieb der russische Angriff auf die Ukraine die Rohstoffmärkte in die Höhe. Viele Materialien wurden knapp. Die Preise explodierten. Dass der aktuelle Index diesen Wert nun übertrifft, zeigt die Schwere der Lage.
Damals folgte anschließend eine längere Entspannungsphase. Die vbw berichtete noch im vergangenen Jahr, dass der Index sieben Monate in Folge nachgegeben hatte. Diese Erholung ist offenbar beendet.
Ursachen sind vielfältig
Für den erneuten Preisanstieg gibt es mehrere Gründe. Globale Lieferketten bleiben anfällig. Geopolitische Spannungen beeinflussen den Rohstoffhandel. Handelskonflikte und Zölle verteuern Importe zusätzlich. Hinzu kommt eine weltweit hohe Nachfrage nach Industriemetallen.
Bayern als exportorientierter Industriestandort spürt diese Entwicklungen besonders stark. Der Freistaat beheimatet viele Zulieferer und Hersteller, die auf günstige Rohstoffe angewiesen sind. Für sie bedeutet jeder Indexpunkt mehr eine konkrete Belastung ihrer Kalkulation.
Kosten, die nicht einfach weitergegeben werden
Viele Unternehmen haben Lieferverträge mit festen Preisen abgeschlossen. Diese Verträge lassen sich nicht kurzfristig anpassen. Wer seine Kunden nicht verlieren will, muss die gestiegenen Kosten zunächst selbst tragen. Das belastet die Liquidität und drückt die Gewinne.
Kleinere Betriebe treffen solche Phasen besonders hart. Großunternehmen können Preiserhöhungen leichter durchsetzen oder haben bessere Verhandlungspositionen gegenüber Lieferanten. Der Mittelstand steht dagegen oft zwischen allen Stühlen.
Fazit: Historische Marke mit Folgen
Der erstmalige Sprung des vbw-Rohstoffpreisindex über die 200-Punkte-Marke ist mehr als eine Statistik. Er zeigt, dass die Kostenbelastung der bayerischen Industrie ein neues Niveau erreicht hat. Ob die Preise erneut nachgeben, hängt von der Entwicklung der Weltmärkte und der Geopolitik ab. Sicher ist: Die Unternehmen in Bayern stehen vor einer anspruchsvollen Phase.