Energiewirtschaft

Verbund will Riedl-Bau trotz Klagen sofort starten

Der Streit um das Pumpspeicherkraftwerk Riedl eskaliert. Die Donaukraftwerk Jochenstein AG, eine Tochter des österreichischen Stromkonzerns Verbund, hat beim Landratsamt Passau einen Antrag auf Sofortvollzug des Planfeststellungsbeschlusses gestellt. Ziel ist es, die Vorarbeiten für das Projekt bei Untergriesbach nahe Passau noch vor dem Ende der laufenden Klageverfahren zu beginnen.

Was der Antrag bedeutet

Normalerweise blockieren Klagen den Bau eines genehmigten Projekts automatisch. Der Antrag auf Sofortvollzug soll diesen Automatismus aufheben. Gibt das Landratsamt Passau dem Antrag statt, darf der Betreiber parallel zu den Gerichtsverfahren mit ersten Bauvorbereitungen beginnen. Eine Entscheidung der Behörde steht noch aus.

Das Projekt hat eine lange Vorgeschichte. Seit mehr als 40 Jahren wird die Idee eines Pumpspeicherkraftwerks an der Donau bei Untergriesbach diskutiert. Die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren wurden im September 2012 eingereicht. Der offizielle Planfeststellungsbeschluss folgte im September 2024.

Ein Kraftwerk von bayernweiter Bedeutung

Die Dimensionen des geplanten Projekts sind beträchtlich. Das Kraftwerk soll eine Leistung von 300 Megawatt erbringen. Die Speicherkapazität ist auf 3,5 Millionen Kilowattstunden ausgelegt. Damit wäre der Energiespeicher Riedl der bedeutendste Stromspeicher ganz Bayerns.

Die Funktionsweise ist klassisch für Pumpspeicher: Bei überschüssigem Strom im Netz wird Wasser in ein höher gelegenes Becken gepumpt. Bei Bedarf fließt das Wasser zurück und treibt Turbinen an. So lässt sich Energie flexibel speichern und wieder abrufen. Bayerns Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger sieht in dem Projekt einen zentralen Baustein der bayerischen Energieversorgung. Laut Aiwanger soll das Kraftwerk jährlich über 100.000 Tonnen CO2 einsparen. Außerdem soll es künftig das bayerische Chemiedreieck mit Strom versorgen.

Widerstand aus dem Naturschutz

Nicht alle teilen die Begeisterung. Der Bund Naturschutz in Bayern klagt gegen das Vorhaben. BN-Chef Martin Geilhufe und der regionale BN-Vorsitzende Karl Haberzettl machten ihren Widerstand bereits öffentlich. Das geplante Kraftwerk liegt in einem naturschutzfachlich sensiblen Gebiet an der Donau. Kritiker befürchten erhebliche Eingriffe in das dortige Ökosystem.

Die Klageverfahren laufen noch. Genau deshalb versucht Verbund nun den juristischen Umweg über den Sofortvollzug. Der Konzern will keine weiteren Jahre verlieren. Das Projekt ist bereits jetzt eines der am längsten diskutierten Energievorhaben in Bayern.

Rückenwind aus der Politik

Bayerns Energieminister Aiwanger sowie der bayerische Umweltminister begrüßen den Antrag auf Sofortvollzug ausdrücklich. Aus Sicht der Staatsregierung ist das Projekt wirtschaftlich und energiepolitisch unverzichtbar. Es nutze heimische Ressourcen und stärke die bayerische Wirtschaft, heißt es aus dem Ministerium.

Verbund ist Österreichs größter Stromkonzern. Mit dem Antrag auf Sofortvollzug sendet das Unternehmen ein klares Signal: Der Bau soll nicht länger warten.

Fazit

Das Pumpspeicherkraftwerk Riedl ist ein Projekt mit enormem energiewirtschaftlichem Potenzial für Bayern. Der Antrag auf Sofortvollzug zeigt, wie drängend Verbund die Lage einschätzt. Ob das Landratsamt Passau dem Antrag zustimmt, entscheidet über den weiteren Zeitplan. Der Konflikt zwischen Energieversorgung und Naturschutz bleibt vorerst ungelöst.

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