Vom Frankenwein bis zur Genussreise: Wie Kulinarik für Bayerns Tourismus neue Impulse setzt
Die Sieger des Wettbewerbs „Best of Franken 2026“ stehen fest. Mehr als 400 Weine und Sekte wurden Anfang Juli in Iphofen von einer internationalen Fachjury bewertet. Für die ausgezeichneten Weingüter bedeutet die Prämierung zusätzliche Aufmerksamkeit, doch der Wettbewerb reicht inzwischen weit über die Weinbranche hinaus. Er zeigt exemplarisch, wie sich Genuss, Tourismus und regionale Wirtschaft zunehmend miteinander verknüpfen.
Dazu passt eine Entwicklung auf Bundesebene. Die Deutsche Zentrale für Tourismus stellt Kulinarik mit ihrer Kampagne „Culinary Germany“ 2026 erstmals als einen der zentralen Schwerpunkte der internationalen Vermarktung Deutschlands heraus. Regionale Spezialitäten, Weinbaugebiete, Gastronomie und kulturelle Angebote sollen Reisenden einen zusätzlichen Anlass für einen Besuch bieten. Bayern verfügt mit seinen Weinregionen, traditionellen Wirtshäusern und einer vielfältigen Genusslandschaft über gute Voraussetzungen, von dieser Entwicklung zu profitieren.
Der Blick auf aktuelle Branchenzahlen zeigt jedoch, dass touristische Nachfrage und wirtschaftlicher Erfolg nicht automatisch Hand in Hand gehen. Während Regionen ihre kulinarischen Angebote ausbauen und stärker vermarkten, stehen viele gastronomische Betriebe weiterhin unter erheblichem wirtschaftlichem Druck.
Wertschöpfung weit über den Weinberg hinaus
Die im Rahmen des Weintourismus Symposiums vorgestellte dwif-Untersuchung unterstreicht den wirtschaftlichen Stellenwert des Weintourismus für das Weinland Franken. Sie weist für die Region einen touristischen Bruttoumsatz von rund 3,92 Milliarden Euro sowie etwa 60.000 direkt oder indirekt gesicherte Arbeitsplätze aus.
Die wirtschaftlichen Effekte entstehen dabei nicht allein durch den Verkauf von Wein. Besucher übernachten in Hotels oder Pensionen, kehren in Restaurants und Cafés ein, besuchen Vinotheken, nehmen an Weinproben oder Führungen teil und kaufen regionale Produkte. Auch Veranstaltungen, Kulturangebote und der Einzelhandel profitieren von dieser Nachfrage. Die Wertschöpfung verteilt sich damit auf zahlreiche Betriebe innerhalb einer Region.
Der Wettbewerb „Best of Franken“ fügt sich in dieses Gesamtkonzept ein. Er macht Weingüter sichtbar, lenkt mediale Aufmerksamkeit auf die Region und stärkt das touristische Profil Frankens. Für viele Betriebe ist dies eine Gelegenheit, neue Gäste anzusprechen und bestehende Angebote miteinander zu verknüpfen. Wein wird damit zum Ausgangspunkt einer touristischen Leistungskette, die weit über den eigentlichen Weinbau hinausreicht.
Tourismus entwickelt sich – Gastronomie bleibt wirtschaftlich unter Druck
Die positiven Impulse im Tourismus spiegeln sich nicht uneingeschränkt in den Geschäftszahlen des Gastgewerbes wider. Nach Angaben des DEHOGA Bayern verbuchten die gastgewerblichen Betriebe in Deutschland im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum real 5,1 Prozent weniger Umsatz. Nominal stiegen die Umsätze zwar um 2,1 Prozent, preisbereinigt ergibt sich jedoch weiterhin ein deutlicher Rückgang. Im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 liegt der reale Umsatz sogar 19,7 Prozent niedriger
Viele Betriebe verschieben notwendige Investitionen dennoch nicht. Modernisierungen, digitale Technik oder Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung gelten vielerorts als Voraussetzung, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Neben dem klassischen Bankkredit können Betriebe dabei auf einen Kredit für Selbstständige, aber auch gegebenenfalls Förderangebote des Freistaats und der LfA Förderbank Bayern zurückgreifen. Unterstützung bieten unter anderem das Sonderprogramm „Tourismusland Bayern – Qualität und Gastlichkeit“, die Premiumoffensive Tourismus sowie Förderdarlehen der LfA Förderbank Bayern. Zuschüsse können Investitionen erleichtern, setzen jedoch in der Regel ein tragfähiges Finanzierungskonzept und die Erfüllung der jeweiligen Fördervoraussetzungen voraus.
Das Bayerische Landesamt für Statistik meldete für das Gastgewerbe rückläufige reale Umsätze. Vor allem klassische Gastronomiebetriebe leiden unter gestiegenen Personal-, Energie- und Einkaufskosten. Hinzu kommen höhere Ausgaben für Versicherungen, Mieten und Finanzierung. Viele Unternehmen sehen sich deshalb gezwungen, ihre Kalkulation regelmäßig anzupassen.
Nach Einschätzung des DEHOGA reagieren Gäste zunehmend sensibel auf Preisänderungen. Restaurantbesuche werden häufiger bewusst geplant, Zusatzbestellungen fallen zurückhaltender aus und Ausgaben werden stärker abgewogen. Für die Betriebe bedeutet dies, dass steigende Kosten nur begrenzt an die Kunden weitergegeben werden können. Die wirtschaftliche Situation wird dadurch trotz stabiler touristischer Nachfrage vielerorts anspruchsvoller.
Qualität als Antwort auf steigende Anforderungen
Viele Betriebe reagieren auf die veränderten Rahmenbedingungen mit Investitionen in ihr Angebot. Statt ausschließlich zusätzliche Kapazitäten zu schaffen, rücken Modernisierung, Servicequalität und regionale Besonderheiten stärker in den Fokus. Dazu gehören zeitgemäß ausgestattete Gästezimmer, energieeffiziente Technik, digitale Buchungs- und Bezahlsysteme sowie gastronomische Konzepte, die regionale Produkte und Spezialitäten stärker hervorheben.
Gerade Genussregionen wie Franken setzen verstärkt auf das Zusammenspiel aus Wein, regionaler Küche, Landschaft und kulturellen Angeboten. Weinproben, kulinarische Veranstaltungen oder Themenwege schaffen zusätzliche Anreize für einen Aufenthalt und sprechen Zielgruppen an, die gezielt nach regionalen Erlebnissen suchen. Für Hotels und Gastronomiebetriebe eröffnet dies Möglichkeiten, sich mit einem eigenständigen Profil im Wettbewerb zu positionieren.
Gemeinsame Vermarktung stärkt Regionen
Der aktuelle Weinwettbewerb verweist auf eine Entwicklung, die sich in vielen Tourismusregionen beobachten lässt. Statt einzelne Angebote isoliert zu vermarkten, setzen Weinbaubetriebe, Gastronomie, Hotellerie, Tourismusorganisationen und Kommunen zunehmend auf gemeinsame Konzepte. Ziel ist es, Besuchern ein stimmiges Gesamterlebnis zu bieten und die Attraktivität einer Region über einzelne Ausflugsziele hinaus zu erhöhen.
Von dieser Vernetzung profitieren nicht nur die ausgezeichneten Weingüter. Wer für eine Weinprobe oder ein kulinarisches Wochenende anreist, bucht häufig auch eine Übernachtung, besucht Restaurants oder Cafés, kauft regionale Spezialitäten und nutzt weitere Freizeit- oder Kulturangebote. Die touristischen Ausgaben verteilen sich dadurch auf zahlreiche Betriebe und tragen dazu bei, die regionale Wertschöpfung über verschiedene Wirtschaftszweige hinweg zu stärken.
Wie nachhaltig ist der aktuelle Trend?
Mit der stärkeren Ausrichtung auf Kulinarik setzt der Deutschlandtourismus auf ein Themenfeld, das Regionen wie Franken gute Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet. Wein, regionale Küche und gastronomische Angebote können zusätzliche Besucher anziehen und die touristische Wertschöpfung in einer Region erhöhen.
Ob sich dieses Potenzial dauerhaft ausschöpfen lässt, hängt jedoch von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Viele Betriebe stehen weiterhin unter dem Druck steigender Betriebs- und Personalkosten, während Investitionen in Modernisierung, Digitalisierung und Energieeffizienz notwendig bleiben. Öffentliche Förderprogramme können diese Vorhaben erleichtern, setzen jedoch in der Regel eine tragfähige Finanzierung voraus. Ergänzend kommen klassische Bankkredite oder die Vermittlung privater Finanzierungslösungen für Unternehmen und Selbstständige infrage.
Für Bayern bietet die Entwicklung die Chance, bestehende Stärken gezielt weiterzuentwickeln. Wo Weinbau, Gastronomie, Hotellerie und Tourismus eng zusammenarbeiten und in Qualität investieren, entstehen zusätzliche wirtschaftliche Impulse – nicht nur für einzelne Betriebe, sondern für die gesamte Region.



