Handwerk

Weniger Azubis: Metall- und Elektroindustrie verliert Nachwuchs

Die Metall- und Elektroindustrie meldet einen Rückgang bei den Ausbildungszahlen. Weniger Betriebe bilden aus, weniger junge Menschen beginnen eine Lehre in der Branche. Das ist ein ernstes Signal für eine der wichtigsten Industriesparten Bayerns und Deutschlands.

Rückgang in einer Schlüsselbranche

Die Metall- und Elektroindustrie gehört zu den größten Ausbildern in Deutschland. Sie umfasst Unternehmen aus dem Maschinenbau, der Automobilzulieferung, der Elektrotechnik und verwandten Bereichen. Allein in Bayern arbeiten in dieser Branche Hunderttausende Menschen.

Doch der Nachwuchs bleibt aus. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist gesunken. Betriebe berichten, dass sie offene Ausbildungsplätze nicht besetzen können. Gleichzeitig melden sich weniger Bewerber für technische Berufe.

Das Muster ist bekannt. Viele Schulabgänger bevorzugen ein Studium gegenüber einer Berufsausbildung. Technische Berufe gelten bei Jugendlichen oft als weniger attraktiv. Dabei bieten sie stabile Gehälter und gute Karrierechancen.

Ursachen des Rückgangs

Demografischer Wandel trifft Ausbildungsmarkt

Die geburtenstarken Jahrgänge sind längst aus dem Ausbildungsalter heraus. Schwächere Jahrgänge folgen nach. Das verringert automatisch das Bewerberpotenzial für alle Branchen. Die Metall- und Elektroindustrie spürt das besonders deutlich.

Hinzu kommt der Trend zur Akademisierung. Mehr Jugendliche machen Abitur. Mehr entscheiden sich für ein Studium. Die duale Berufsausbildung verliert dadurch Bewerber, obwohl sie inhaltlich stark und wirtschaftlich attraktiv ist.

Wirtschaftliche Unsicherheit schreckt ab

Die konjunkturelle Lage spielt ebenfalls eine Rolle. Viele Industrieunternehmen stecken in einer schwierigen Phase. Hohe Energiekosten, schwächelnde Exportmärkte und der Strukturwandel in der Automobilindustrie belasten die Branche.

Manche Betriebe reagieren darauf mit Zurückhaltung bei Neueinstellungen. Das betrifft auch die Ausbildung. Wer die eigene Zukunft als unsicher einschätzt, bildet weniger aus. Dieser Effekt verstärkt den Rückgang.

Gleichzeitig sinkt bei Jugendlichen die Bereitschaft, in eine Branche einzusteigen, die in den Medien oft mit Stellenabbau und Werksschließungen verbunden wird. Das Image leidet.

Folgen für Bayern

Bayern ist ein Industrieland. Der Freistaat zählt zu den wirtschaftsstärksten Regionen Europas. Große Teile dieser Stärke beruhen auf der Metall- und Elektroindustrie. Unternehmen wie die Zulieferer im Raum Ingolstadt, Regensburg oder im Landkreis Deggendorf sind auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen.

Fehlt der Nachwuchs heute, fehlen die Fachkräfte in fünf bis zehn Jahren. Der Mangel an Elektrikern, Mechatronikern und Industriemechanikern ist schon jetzt spürbar. Viele Betriebe melden offene Stellen, die sie nicht besetzen können.

Die Folgen sind konkret: Aufträge können nicht abgearbeitet werden. Investitionen verzögern sich. Wachstum wird gebremst. Das schadet dem gesamten Wirtschaftsstandort.

Was die Branche tun kann

Attraktivität der Ausbildung steigern

Verbände und Unternehmen fordern mehr Werbung für technische Berufe. Schulen sollen stärker mit Betrieben kooperieren. Praktika sollen früher und häufiger stattfinden. Ziel ist es, Jugendliche frühzeitig für handwerkliche und technische Tätigkeiten zu begeistern.

Auch die Vergütung ist ein Thema. In der Metall- und Elektroindustrie sind die Ausbildungsgehälter tariflich geregelt und vergleichsweise hoch. Das wird oft zu wenig kommuniziert. Dabei ist das Argument gegenüber einem Studium mit Nebenjob durchaus schlagkräftig.

Zuwanderung als Ergänzung

Einige Unternehmen setzen auf Auszubildende aus dem Ausland. Bewerber aus Ländern außerhalb der Europäischen Union können über gezielte Programme gewonnen werden. Das setzt jedoch Sprachkenntnisse und eine funktionierende Betreuung voraus. Beides kostet Zeit und Geld.

Auch die Integration junger Menschen mit Migrationshintergrund, die bereits in Bayern leben, bietet Potenzial. Viele von ihnen suchen eine solide Ausbildung mit guten Perspektiven.

Fazit

Der Rückgang bei den Lehrlingszahlen in der Metall- und Elektroindustrie ist ein strukturelles Problem. Er ist nicht mit einer einzelnen Maßnahme zu lösen. Betriebe, Verbände, Schulen und Politik müssen gemeinsam handeln. Die Branche hat gute Argumente für eine Ausbildung. Sie muss sie lauter vortragen. Wer heute nicht ausbildet, hat morgen kein Personal.

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