Windkraft: Bayern bleibt bei Ausschreibungen weit zurück
Bayern gehört zu den schwächsten Bundesländern beim Ausbau der Windkraft. Bei den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur für neue Windenergieanlagen an Land erzielt der Freistaat regelmäßig unterdurchschnittliche Ergebnisse. Das gefährdet die Energieziele des Landes.
Wenige Zuschläge für Bayern
Die Bundesnetzagentur schreibt regelmäßig Kapazitäten für erneuerbare Energien aus. Projektierer bewerben sich mit ihren geplanten Windparks um staatliche Förderung. Bayern erhält dabei nur einen kleinen Anteil der verfügbaren Zuschläge. Norddeutsche Bundesländer wie Schleswig-Holstein oder Niedersachsen dominieren die Ergebnisse.
Der Grund liegt nicht allein im Wind. Bayern hat lange Zeit strenge Abstandsregeln für Windräder verfolgt. Die sogenannte 10-H-Regel schrieb vor, dass Windräder mindestens den zehnfachen Abstand ihrer Höhe zu Wohngebäuden einhalten müssen. Bei einer 200 Meter hohen Anlage bedeutete das: zwei Kilometer Abstand. Das machte Windkraftprojekte in vielen Gemeinden faktisch unmöglich.
Reform der 10-H-Regel zeigt noch kaum Wirkung
Die bayerische Staatsregierung hat die 10-H-Regel 2023 gelockert. Seitdem gilt in bestimmten Gebieten ein reduzierter Mindestabstand. Doch die Wirkung kommt nur langsam. Projektentwickler brauchen Jahre, bis ein Windpark genehmigt und gebaut ist. Die Pipeline neuer Projekte füllt sich erst allmählich.
Andere Bundesländer haben einen jahrelangen Vorsprung. Sie verfügen über ausgereifte Projekte, die sofort in Ausschreibungen eingebracht werden können. Bayern fehlt diese Masse an genehmigungsreifen Vorhaben noch weitgehend.
Genehmigungsverfahren als Bremse
Auch die Dauer der Genehmigungsverfahren bleibt ein Problem. In Bayern dauern Windkraft-Genehmigungen im Schnitt länger als im Bundesdurchschnitt. Naturschutz, Artenschutz und kommunale Widerstände verzögern viele Projekte. Manche Vorhaben scheitern komplett.
Der Bund hat mit dem Windenergieflächenbedarfsgesetz klare Flächenziele für die Länder gesetzt. Bayern muss bis 2032 mindestens 1,1 Prozent seiner Landesfläche für Windkraft ausweisen. Derzeit liegt der Freistaat weit darunter.
Energiewende in Bayern unter Druck
Bayern ist beim Stromverbrauch eines der größten Bundesländer. Gleichzeitig steht der schrittweise Ausstieg aus der Atomkraft hinter dem Land. Die Kernkraftwerke Isar 2, Gundremmingen und andere sind abgeschaltet. Diese Kapazitäten müssen ersetzt werden.
Windkraft allein kann das nicht leisten. Aber ohne deutlich mehr Windenergie wird Bayern stärker auf Stromimporte aus anderen Regionen angewiesen sein. Das belastet die Netze und treibt die Kosten.
Wirtschaft fordert Tempo
Bayerische Industrieverbände fordern schnellere Fortschritte. Günstige und verlässliche Energie ist für den Industriestandort Bayern entscheidend. Unternehmen in energieintensiven Branchen beobachten die Entwicklung mit Sorge.
Auch der Ausbau der Stromnetze hält mit dem Bedarf nicht Schritt. Selbst wenn mehr Windparks gebaut werden, fehlt es an Leitungskapazitäten, um den Strom dorthin zu bringen, wo er gebraucht wird.
Fazit: Bayern muss aufholen
Der Rückstand Bayerns bei Windkraft-Ausschreibungen ist messbar und strukturell bedingt. Jahrelange Restriktionen hinterlassen Spuren. Die Lockerung der 10-H-Regel war ein wichtiger Schritt, reicht aber allein nicht aus. Bayern braucht schnellere Genehmigungen, mehr Flächen und einen politischen Willen, der über Ankündigungen hinausgeht. Die Zeit drängt.