Energiewirtschaft

Windkraft in Bayern: Ausbau stockt trotz großer Ankündigungen

Bayern hat im laufenden Jahr lediglich drei neue Windräder in Betrieb genommen. Das ist ein ernüchterndes Ergebnis für ein Bundesland, das sich ambitionierte Ziele beim Ausbau erneuerbarer Energien gesetzt hat. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hatte einen deutlichen Beschleunigungsschub versprochen. Davon ist in der Realität wenig zu spüren.

Versprechen trifft auf magere Bilanz

Aiwanger hatte den Windkraftausbau in Bayern wiederholt als Priorität bezeichnet. Er sprach von einem „Turbo“ für die Genehmigungsverfahren. Die Zahlen erzählen eine andere Geschichte. Drei neue Anlagen im Jahr sind kein Turbo. Das ist ein Stillstand.

Zum Vergleich: Deutschland braucht nach Einschätzung von Energieexperten jährlich mehrere hundert neue Windräder, um die Klimaziele zu erreichen. Bayern als flächenmäßig größtes Bundesland müsste einen erheblichen Anteil dazu beitragen. Der Freistaat hinkt dem bundesweiten Tempo weit hinterher.

Die 10-H-Regel als Bremsklotz

Ein zentrales Hindernis war jahrelang die bayerische 10-H-Regelung. Sie schrieb vor, dass Windräder einen Abstand vom Zehnfachen ihrer Höhe zur nächsten Wohnbebauung einhalten müssen. Bei modernen Anlagen mit 200 Metern Höhe bedeutete das einen Mindestabstand von zwei Kilometern.

Diese Regelung wurde 2022 vom Freistaat gelockert. In bestimmten Gebieten gelten nun geringere Abstände. Doch die erhoffte Beschleunigung blieb aus. Genehmigungsverfahren dauern in Bayern nach wie vor Jahre. Kommunen zögern. Bürgerinitiativen klagen.

Lange Verfahren bremsen Investoren

Projektentwickler berichten von Genehmigungszeiten zwischen vier und sieben Jahren in Bayern. Das schreckt Investoren ab. Kapital fließt in andere Bundesländer, wo Verfahren schneller abgeschlossen werden. Niedersachsen und Brandenburg genehmigen deutlich mehr Anlagen pro Jahr als der Freistaat.

Das Wirtschaftsministerium verwies auf Reformen bei den Behörden. Neue Stellen wurden geschaffen. Digitale Verfahren sollen die Bearbeitung beschleunigen. Doch die Wirkung dieser Maßnahmen zeigt sich bislang nicht in den Ausbauzahlen.

Energiewende in Bayern: Abhängigkeit von außen wächst

Bayern produziert zu wenig eigenen Strom aus erneuerbaren Quellen. Der Freistaat ist auf Stromimporte aus anderen Bundesländern und aus dem Ausland angewiesen. Das belastet das Netz und kostet Geld. Gleichzeitig fehlen die Leitungen, um ausreichend Strom aus dem windreichen Norden zu transportieren.

Der geplante Ausbau der Stromtrassen verzögert sich ebenfalls. Der SuedLink, der Windstrom aus Norddeutschland nach Bayern bringen soll, wird frühestens 2028 fertig. Bayern muss also selbst mehr produzieren. Windkraft wäre dafür ein geeignetes Mittel.

Solarenergie allein reicht nicht

Bayern setzt stark auf Photovoltaik. Der Freistaat ist beim Solarausbau bundesweit führend. Doch Solaranlagen liefern nachts keinen Strom. Im Winter ist die Ausbeute gering. Windkraft ergänzt Solarenergie deshalb ideal. Wer nur auf Sonne setzt, riskiert Versorgungslücken.

Energieexperten fordern deshalb einen konsequenten Mix. Windkraft an Land ist die günstigste Form der Stromerzeugung. Bayern lässt dieses Potenzial weitgehend ungenutzt.

Fazit: Ankündigungen reichen nicht

Drei neue Windräder in einem Jahr sind kein Erfolg. Bayern hat großen Nachholbedarf beim Ausbau der Windkraft. Die Lockerung der 10-H-Regelung war ein richtiger Schritt. Doch die Umsetzung stockt. Genehmigungsverfahren müssen schneller werden. Kommunen brauchen mehr Unterstützung. Und die Politik muss liefern, was sie ankündigt. Versprechen allein erzeugen keinen Strom.

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