
Windkraft in Bayern: Wachstum ja, Bundesschluss nein
Bayern baut Windräder. Im ersten Halbjahr stieg die installierte Windkraftleistung im Freistaat um 59 Megawatt. Das geht aus einer Bilanz der Branchenverbände BWE und VDMA Power Systems sowie der Fachagentur Wind und Solar hervor. Im bundesweiten Vergleich bleibt Bayern dennoch das Schlusslicht.
Zubau vorhanden, Tempo fehlt
59 Megawatt mehr installierte Leistung sind für Bayern ein Fortschritt. Der Freistaat steckt seit Jahren in einem Tief beim Windkraftausbau. Andere Bundesländer haben diese Zeit für massiven Ausbau genutzt.
Spitzenreiter beim Genehmigungsvolumen ist Nordrhein-Westfalen, dahinter folgen Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Das zeigen Daten der Bundesnetzagentur. Bayern taucht in dieser Rangliste weit hinten auf.
Genehmigungsbehörden als Flaschenhals
Bayern kommt bei der Genehmigung neuer Windkraftanlagen nicht hinterher. Die Behörden arbeiten langsamer als der Bedarf wächst. Projekte warten, Investoren warten.
Dabei fehlt es nicht an Interesse der Branche. Projektentwickler melden Vorhaben an, doch zwischen Antrag und Genehmigung vergehen oft Jahre. Das kostet Geld und Planungssicherheit. Manche Investoren weichen auf andere Bundesländer aus.
Die 10-H-Regelung als historische Bremse
Jahrelang galt in Bayern die sogenannte 10-H-Regelung. Sie schrieb vor, dass Windräder mindestens das Zehnfache ihrer Höhe Abstand zu Wohngebäuden halten müssen. Bei modernen Anlagen bedeutet das bis zu zwei Kilometer Abstand, was große Teile des Freistaats faktisch ausschließt.
Die Staatsregierung hat diese Regel inzwischen gelockert. Für bestimmte Gebiete gelten nun geringere Abstände. Die Wirkung dieser Reform kommt jedoch nur langsam an. Genehmigungsverfahren, die unter altem Recht begannen, laufen weiter. Der bürokratische Stau bleibt.
Klimaziele unter Druck
Bayern hat sich eigene Klimaziele gesetzt, Windkraft ist dabei ein wesentlicher Baustein. Ohne deutlich mehr Windstrom werden diese Ziele schwer zu erreichen sein.
Das letzte bayerische Kernkraftwerk ging 2023 vom Netz. Der Wegfall dieser Grundlastkapazität verschärft den Druck. Bayern muss Strom importieren oder mehr eigene erneuerbare Kapazität aufbauen.
Kritik aus der Politik
Die Grünen im Landtag üben scharfe Kritik an der Staatsregierung. Sie fordern, den Windkraftausbau zur Priorität zu machen, und verlangen, die Genehmigungsbehörden personell besser auszustatten, um Verfahren zu beschleunigen.
Umweltorganisationen mahnen ebenfalls zur Eile. Bayerns Position als Schlusslicht beim Windkraftausbau sei nicht mit dem Klimaanspruch des Freistaats vereinbar.
Was jetzt gefragt ist
Der Zubau von 59 Megawatt im ersten Halbjahr zeigt, dass Bayern Windräder genehmigen und bauen kann. Das Tempo reicht jedoch nicht aus.
Die Branchenverbände fordern klarere Zuständigkeiten und kürzere Verfahrensdauern. Digitale Prozesse und mehr Personal in den Genehmigungsbehörden könnten helfen. Ohne strukturelle Reformen bleibt Bayern ein Land mit Aufholbedarf.
Fazit
Bayern bewegt sich beim Windkraftausbau, aber langsamer als nötig und langsamer als fast alle anderen Bundesländer. Genehmigungsverfahren blockieren den Fortschritt. Wer Bayern als Energiestandort zukunftsfest machen will, muss diesen Flaschenhals beseitigen.



