Windkraft-Streit: Bayern kämpft um Zuschläge für 700 Anlagen
München kämpft mit Berlin um Windkraft-Förderung. Die bayerische Staatsregierung hat das aktuelle Ausschreibungsverfahren der Bundesnetzagentur scharf kritisiert. Mehr als 700 genehmigte Windenergieanlagen im Freistaat haben bislang keinen Zuschlag erhalten. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger spricht von einer systematischen Benachteiligung Bayerns.
Hunderte Projekte ohne Förderung
Die Zahlen sind eindeutig. Bundesweit erhielten bei der jüngsten Ausschreibung der Bundesnetzagentur lediglich 270 von 628 eingereichten Projekten einen Zuschlag. Das entspricht einer Erfolgsquote von knapp 43 Prozent.
Für Bayern fällt die Bilanz noch schlechter aus. Rund 350 genehmigte Windräder warteten auf einen Förderbescheid. Zusammen mit weiteren Projekten stehen damit über 700 bayerische Anlagen ohne Zuschlag da. Wirtschaftsminister Aiwanger kritisiert: Der Bund bremse die Ausbaudynamik im Freistaat aus.
Allein im Jahr 2025 erteilte Bayern Genehmigungen für 198 neue Windenergieanlagen. Das Wirtschaftsministerium wertet das als Beweis für den ernsthaften Willen zum Ausbau. Ohne Förderung durch den Bund lassen sich viele dieser Projekte jedoch wirtschaftlich nicht realisieren.
Aiwanger fordert Korrekturen am Vergabeverfahren
Aiwanger richtet klare Forderungen an Berlin. Das Vergabeverfahren der Bundesnetzagentur müsse überarbeitet werden. Derzeit benachteilige das System Regionen wie Bayern, die in kurzer Zeit viele Genehmigungen erteilt hätten.
Der Hintergrund: Bayern hatte lange strenge Abstandsregeln für Windräder. Die sogenannte 10H-Regelung schrieb vor, dass ein Windrad mindestens das Zehnfache seiner Höhe von der nächsten Wohnbebauung entfernt sein muss. Das bremste den Ausbau über Jahre erheblich aus.
Politische Kehrtwende mit Folgen
Die CSU-geführte Staatsregierung lockerte die 10H-Regel 2023 unter Druck des Bundes. Seitdem stiegen die Genehmigungszahlen deutlich. Bayern versuchte, verlorene Zeit aufzuholen. Nun fühlt sich der Freistaat durch das Bundessystem bestraft, weil er spät gestartet ist und trotzdem keine Zuschläge bekommt.
Kritiker halten dagegen: Bayern habe den Ausbau selbst jahrelang blockiert. Der Freistaat gilt als Schwachwindgebiet. Windräder produzieren hier weniger Strom als etwa in Norddeutschland. Das macht bayerische Projekte in einem wettbewerbsbasierten Ausschreibungsverfahren strukturell teurer.
Strukturelles Problem beim Ausschreibungsdesign
Das Kernproblem liegt im System. Die Bundesnetzagentur vergibt Zuschläge nach dem Preis. Wer günstiger Strom liefern kann, bekommt den Zuschlag. Norddeutsche Küstenregionen mit höheren Windgeschwindigkeiten können günstigere Gebote abgeben. Bayern hat da einen natürlichen Nachteil.
Experten diskutieren seit Längerem, ob das Ausschreibungsdesign regionalen Ausgleich stärker berücksichtigen sollte. Eine bundesweit gleichmäßigere Verteilung der Windkraft hätte Vorteile für die Netzstabilität. Bislang hat der Bund das bestehende Verfahren aber nicht grundlegend verändert.
Netzausbau als weiteres Argument
Aiwanger bringt noch ein weiteres Argument ins Spiel. Windkraft vor Ort bedeute weniger Strom-Transport über weite Distanzen. Das entlaste die Übertragungsnetze. Bayern als großes Industrieland brauche eigene Erzeugungskapazitäten. Strom aus dem Norden durch Bayern zu leiten, sei teuer und aufwendig.
Das Wirtschaftsministerium sieht die Situation daher als energiepolitisches Problem. Es gehe nicht nur um Bayern, sondern um die Versorgungssicherheit Süddeutschlands insgesamt.
Fazit: Konflikt zwischen Freistaat und Bund verschärft sich
Der Streit um die Windkraft-Zuschläge ist mehr als ein regionaler Verteilungskonflikt. Er zeigt die Spannungen zwischen einem marktbasierten Fördersystem und regionalpolitischen Zielen. Bayern hat seinen Teil der Energiewende nachgeholt, kämpft aber mit den Folgen eines jahrelangen Rückstands. Wie der Bund auf die bayerischen Forderungen reagiert, ist offen. Die über 700 wartenden Windräder sind ein konkretes Zeichen: Genehmigung und Förderung klaffen weit auseinander.



