Gesundheit

Zahnpflege in der Pflege: Bayern lässt Senioren im Stich

Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.

Schlechte Zähne, schlechte Ernährung, schlechtere Gesundheit: Pflegebedürftige Menschen in Bayern erhalten zahnärztliche Vorsorge viel zu selten. Das zeigt eine Auswertung der Krankenkasse Barmer, die Abrechnungsdaten von mehr als 400.000 Versicherten ab 65 Jahren in Bayern ausgewertet hat.

Fehlende Zahnarztbesuche mit schweren Folgen

Wenn Zahnprothesen schlecht sitzen oder Schmerzen im Mund auftreten, essen viele Pflegebedürftige weniger. Sie meiden bestimmte Lebensmittel, was zu Mangelernährung führt und den Körper zusätzlich schwächt. Für alte und kranke Menschen kann das besonders gefährlich werden.

Mundgesundheit beeinflusst direkt, was Menschen essen können und wie gut ihr Körper versorgt wird. Wer nicht richtig kauen kann, nimmt weniger Nährstoffe auf. Die Folgen reichen von Gewichtsverlust bis zu geschwächter Immunabwehr.

Barmer fordert besseren Zugang zur Versorgung

Alfred Kindshofer, Landesgeschäftsführer der Barmer in Bayern, sieht klaren Handlungsbedarf. Mundgesundheit sei ein wichtiger Teil der Lebensqualität, sagte er. Pflegebedürftige dürften beim Zugang zu zahnärztlicher Vorsorge nicht abgehängt werden.

Das Problem ist bekannt: Viele Pflegebedürftige können Zahnarztpraxen nicht selbstständig aufsuchen. Mobilitätseinschränkungen, fehlende Begleitung und organisatorische Hürden erschweren den Weg zur Behandlung. Aufsuchende Zahnmedizin, bei der Zahnärzte Pflegeeinrichtungen besuchen, gibt es, aber noch nicht flächendeckend.

Datenbasis aus über 400.000 Versicherten

Für ihre Analyse hat die Barmer die Abrechnungsdaten von mehr als 400.000 eigenen Versicherten ab 65 Jahren in Bayern ausgewertet. Die Zahlen zeigen: Regelmäßige Zahnarztbesuche finden bei Pflegebedürftigen deutlich seltener statt als bei gleichaltrigen Menschen ohne Pflegebedarf.

Dabei schreiben die gesetzlichen Krankenkassen zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen vor. Pflegeheime sind verpflichtet, die Mundgesundheit der Bewohner zu unterstützen. In der Praxis klafft zwischen Anspruch und Wirklichkeit eine große Lücke.

Strukturelle Probleme in der Pflege

Bayern hat eine der ältesten Bevölkerungen in Deutschland. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt. Der Fachkräftemangel in der Pflege belastet das System zusätzlich. In diesem Umfeld gerät die Mundgesundheit schnell ans Ende der Prioritätenliste.

Pflegepersonal ist oft überlastet. Für regelmäßige Mundhygiene und die Organisation von Zahnarztbesuchen fehlt häufig die Zeit. Präventive Zahnpflege ist langfristig günstiger als die Behandlung schwerer Erkrankungen.

Was die Kassen fordern

Die Barmer fordert eine stärkere Vernetzung zwischen Pflegeeinrichtungen und zahnärztlicher Versorgung. Aufsuchende Behandlungsangebote sollen ausgebaut werden. Das Pflegepersonal soll besser in der Mundhygiene geschult werden.

Auch die Digitalisierung könnte helfen. Digitale Dokumentationssysteme ermöglichen es, Zahnarztbesuche systematisch zu erfassen und Lücken frühzeitig zu erkennen. Bislang fehlt dafür vielerorts die technische Infrastruktur.

Handlungsbedarf

Die Barmer-Daten legen offen, was lange bekannt, aber zu wenig beachtet wurde. Pflegebedürftige in Bayern erhalten zahnärztliche Versorgung nicht in ausreichendem Maß. Das schadet ihrer Ernährung, ihrer Gesundheit und ihrer Lebensqualität. Die nötigen Strukturen fehlen noch. Politik, Kassen und Pflegeeinrichtungen müssen gemeinsam gegensteuern.

Ähnliche Artikel

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"